Real Madrid – BVB 07.12.2016

Der warme Winter in Madrid oder das besondere Geschenk

…Überstunden nehmen wir zur Not…Mainborussen International

Vorwort

Tickets haben wir im Vorfeld vier Stück über unser Vereinskontingent erhalten, den Rest über die Hotline. Für eines unserer Mitglieder wurde endlich ein Traum wahr, da er das erste Mal zu einem internationalen Spiel reiste, gesponsert von uns zu seinem 60. Geburtstag, es sollte also eine ganz besondere Reise werden.

Anreise

Für das Champions League Spiel gegen Madrid, unserem mittlerweile beliebten Dauergegner, machten sich dieses Mal acht Mainborussen auf den Weg, jedoch mit verschiedenen Flügen. Im Vorfeld wurde dem ein oder anderen vielleicht etwas mulmig, da zu dieser Zeit mal wieder Streiks aufgerufen wurde und natürlich ausgerechnet bei Lufthansa, der Airline unseres Beschenkten. Unsere erste Truppe, bestehend aus vier Personen, mich eingeschlossen, hatte zum Glück über Iberia gebucht, somit bestand zumindest für uns kein Grund zur Sorge, da diese Airline nicht von den Streiks betroffen war.

Treffpunkt war Dienstag, 06.12.2016, um 05:30 Uhr am Rasthof Weißkirchen, es war also mal wieder extrem frühes Aufstehen (04:00 Uhr), angesagt. Und dann kam gleich die erste Dicke Überraschung am Treffpunkt: ausgerechnet unser erfahrenster Mann hatte seinen Personalausweis vergessen 🙂 Zum Glück wohnt er nicht so weit von Weißkirchen bzw. Frankfurt entfernt und genügend Zeit hatten wir auch noch. Dumm gelaufen, wir fanden es trotzdem lustig. Also zu Dritt weiter zum großen Flughafen Frankfurt (nicht wie sonst immer nach Hunsrück…) und den Bauch mit Kaffee und etwas zu Essen (Frühstück im goldenen M ist einfach für’n Ar…) auf Vordermann bringen. Später stieß dann auch unser Nachzügler wieder zu uns, ausgestattet mit seinem vergessenen Dokument. Noch die Grundausstattung an Bier besorgt und nach einiger Zeit saßen wir dann auch schon im Flieger und konnten endlich unser richtiges flüssiges Frühstück zu uns nehmen.

Aufgrund des schlechten Wetters mussten erst noch die Tragflächen enteist werden und dann begann eine lange Fahrt. Wir dachten schon, das Flugzeug fährt nach Madrid, da wir eine gefühlte Ewigkeit zu unserer Startbahn unterwegs waren, aber irgendwann ging es dann doch in die Luft. Im Vergleich zu der meist von uns genutzten irischen Fluggesellschaft war bei Iberia richtig gut Platz im Flieger, auch wenn es wie immer günstigste Klasse war. nachdem unser Biervorrat dann ausgetrunken war, mussten wir wohl oder übel auf das teure Bier im Flieger zugreifen, bis es zur Neige ging bzw. nur noch Starkbier vorhanden war, welches nicht wirklich gut schmeckte. Nach knapp drei Stunden landeten wir dann bei richtig schönem Wetter in Madrid am Flughafen. Dank unserem erfahrenen Reiseleiter und heutiger Apps stellte uns die U-Bahn-Anbindung in die Stadt vor keine Herausforderung, wären da nicht die Treppen gewesen. Große Treppe runter, um die Ecke, nächste große Treppe, wieder um die Ecke, nächste Treppe…kam mir ein bisschen vor wie die Penrose-Treppe, da man gefühlt nie ans Ende kam. So manch einer von uns entschied sich schon im Vorfeld für die Rolltreppe, aber Treppen laufen schadet ja bekanntlich nicht. Irgendwann schafften wir es dann aber doch im Hotel anzukommen. Zu unserer Freude hatten wir dann eine Suite, da kein anderes Zimmer für uns vier Personen vorhanden war.

Mainborussen in Madrid

Erkundung Innenstadt

Nach dem Bezug unseres Hotels war dann erst Mal Mittagessen angesagt, also ab in die Innenstadt von Madrid, die zum Glück nur ein paar Gehminuten von unserem Hotel entfernt war. Madrid im Winter ist für uns Deutsche einfach ein angenehmes Wetter (ca. 10 Grad), Pulli und leichte Jacke, für die Madrilenen hingegen scheinbar eiskalt und tiefster Winter, da uns überall Leute mit dicken Winterjacken entgegenkamen. Was machen die erst, wenn es mal richtig kalt wird 😉 Was man in Madrid noch beachten sollte ist das Verbot des Konsums von Alkohol in der Öffentlichkeit. Wir ignorierten es leicht, indem wir unser Dosenbier zügig austranken 🙂

Wie immer war dann die Herausforderung für uns, bei vier Personen ein passendes Lokal zu finden, mit dem jeder leben konnte. Letzten Endes wurde uns zum Glück die Entscheidung abgenommen, da wir von einer sehr hübschen Frau angesprochen wurden, die in einem italienischen Restaurant arbeitete. Da konnten wir einfach nicht widerstehen 🙂 Als das Essen dann auf dem Tisch war, gab es bei einem recht große Augen, da seine bestellte Lasagne leider eher für Kleinkinder, nein passender wäre Säuglinge, ausgelegt war. Satt wurde er davon jedenfalls nicht, unsere Pizzen hingegen waren ausgezeichnet. Es ist halt einfach eine Lotterie mit dem Essen in iberischen Ländern, bei dieser Meinung bleibe ich einfach.

Also noch zum nächsten Imbiss, damit er nicht verhungert und weiter durch die Stadt. Hier fielen uns dann die vielen kleinen Büdchen auf, die vorrangig Lose verkauften und vor denen sich immer lange Schlangen an Leuten befanden. Und ja, es war natürlich kurz vor Weihnachten und „El Gordo“ stand bevor. Gehört hatte ich schon mal davon, aber dann wirklich alle 100 Meter eine Losbude zu sehen, an der 20 Meter lang die Bürger anstanden, ist schon etwas anders. Die Weihnachtslotterie in Spanien hat einfach eine lange Tradition und ist quasi „Kulturgut“, ist auf jeden Fall auch spannend auf Wikipedia zu lesen.

Dann noch durch das dichte Gedränge zum Plaza Puerta del Sol, um die nähere Umgebung für die Planung des nächsten Tages zu erkunden. Für unter der Woche Dienstag war auf jeden Fall die Hölle los…wie wir dann herausfanden, ist der 6. Dezember der Tag der Verfassung und der 8. Dezember der Tag von Mariä Empfängnis, beides gesetzliche Feiertage in Spanien. Kein Wunder also, dass man sich fühlte, als würde man versuchen zum Eingang des Westfalenstadions zu kommen…

In der Zwischenzeit sind zwei weitere Mainborussen mit verschiedenen Flügen in Madrid gelandet, die nun auf dem Weg zu ihrem Hotel waren, welches um die Ecke zu unserem lag. Wir also ebenso zurück ins Hotel, manch einer machte noch ein kurzes Nickerchen, andere sorgten derzeit für Nachschub an Bier, was in solchen Großstädten kein Problem ist, da kleine Läden mit Getränken wirklich an jeder Ecke zu finden sind.

Dienstag Abend

Zu sechst zogen wir dann wieder Richtung Zentrum los, mittlerweile war es schon später Nachmittag und es stand die Suche nach einer passenden Location für das Abendessen an. Vorher wollten wir aber noch ein Geschäft besuchen, welches wir bereits am Mittag für ein tolles Gruppenbild auserkoren haben: der Real Madrid Store. Hier befindet sich eine Kopie unseres Pokals, für den wir diese ganzen internationalen Reisen unternehmen, der Henkelpott. Danke hier noch mal an die tolle Mitarbeiterin, die das Bild für uns knipste. Am Puerta del Sol, der mittlerweile im tollen weihnachtlichem Glanz erstrahlte, fand ich es dann bemerkenswert, wie groß das Interesse der Einheimischen an uns Gästefans war. Egal ob Fans von Real Madrid oder natürlich passenderweise von Atletico, ständig wurden wir gefragt, ob man Bilder mit uns zusammen machen kann, was wir in den meisten Fällen auch erfüllten. Hätten wir uns zwei Stunden an diesem Platz aufgehalten und für jedes gemeinsame Bild einen Euro verlangt, wären unsere Reisekosten wahrscheinlich gedeckt gewesen. So macht Fußball einfach Spaß und verbindet. In so manchem östlichen Teil Europas ist so etwas leider nicht möglich, da gibt es statt toller Erinnerungsfotos eher bleibende „blaue Eindrücke“.

Wie immer gleicht es einer Odysee, dann irgendwo einzukehren. Auf diesem Weg kamen wir noch am Plaza Major vorbei, der vom Aufbau und der Beleuchtung her wirklich sehr an den Nürnberger Weihnachtsmarkt erinnerte. Hätte es hier ein paar Bratwurstbuden gegeben, wäre das Abendessen wahrscheinlich erledigt gewesen. Aber weiter ging es und nach einigen „hmm, weiß nicht“, „lass mal weitergehen“, ne, eher nicht“ zogen wir dann mal einen Restaurantführer über das Handy zu Rate und wurden schnell fündig. Ich lasse mich hier mal nicht näher auf die Abstimmung des Essens ein, das kennt ihr ja mittlerweile von mir, da es später im Bericht noch eine bessere Gelegenheit dazu geben wird 🙂 Es war in Ordnung und machte halbwegs satt, für den Rest sorgte das Bier.

Das es doch schon recht spät war, der Tag für einen Teil von uns auch sehr früh begonnen hatte, entschlossen wir uns, so langsam Richtung Hotel zu gehen und vielleicht noch bei passender Gelegenheit einen Absacker zu trinken. Zum Glück befand sich gleich neben unserem Hotel noch eine kleine Bar, Picnic, die recht gemütlich wirkte. Also rein und noch mal ein vernünftiges Getränk bestellt. Auch die letzten Mainborussen sind derzeit in Madrid gelandet, wir schafften es jedoch nicht mehr, uns in der Bar zu treffen, da bei uns die Müdigkeit so langsam siegte und wir für den Mittwoch auch noch einiges vor hatten.

MBA In Town

Mittwoch

„Relativ frühes Aufstehen“ war angesagt, da wir uns für diesen Tag viel vorgenommen hatten. Unser Frühstück nahmen wir dann in einer Restaurant-Kette ein, von der ich bisher noch nicht gehört hatte, was jedoch auch kein schlimmer Verlust ist. Dass es hiervon keine Filiale in Deutschland gibt, mag wohl daran liegen, dass eine andere Sandwich-Kette hierzulande auch nicht richtig Fuß fassen kann.

Nun stand Sightseeing auf dem Plan, zumindest für uns sechs, die anderen entschieden sich dafür, den Tag so in der Stadt zu verbringen. Zwei City.Touren mit dem Bus standen zur Auswahl, wir entschieden uns für die Route 2, Modern Madrid, knapp zwanzig Euro kostete der Spaß. Nach einiger Zeit des Wartens konnten wir dann endlich in den passenden Bus einsteigen, selbstverständlich gingen wir nach oben in den offenen Bereich. Hier zog es dann während der Fahrt etwas ungemütlich, dafür hatten wir eine tolle Sicht entlang der Route. Die Übersetzung vom Band mittels Ohrstöpseln war relativ monoton, die Betonung der spanischen Namen der Erbauer der jeweiligen Gebäude erfolgte jedoch mit höchstem Enthusiasmus. Mehr oder weniger wurde die Stadt bzw. die Gebäude im Auftrag von drei Herrschern erbaut, so zumindest meine Erinnerung an die Tour, mein Interesse hielt sich allerdings auch in Grenzen. Es sind schon prachtvolle Gebäude, das muss man mal erwähnen, für mich persönlich wurde es jedoch nur interessant, als wir vorläufig am Ziel unserer Reise vorbeikamen, dem Estadio Santiago Bernabéu. Im Vorbeifahren war ich dann vorläufig erst mal etwas enttäuscht, da es auf den ersten Blick nur ein hässlicher großer grauer Klotz ist, zumindest aus der Richtung, die wir fuhren. Da stand es also einfach mitten drinnen in der Stadt, das Herzstück von Real Madrid, das Ziel des Abends. Der erste Eindruck ließ mich jedenfalls nicht vor Ehrfurcht erstarren, aber kein Wunder, wenn man unser schönes Westfalenstadion kennt. Was uns später drinnen erwarten sollte, war uns allerdings bereits bewusst. Dann kam auch endlich die Vorfreude auf den Abend so richtig auf, hier werden wir uns hoffentlich den Gruppensieg holen und einem der führenden Schuldenclubs Europas mal gehörig eins auswischen. So zumindest meine Vorstellung.

Zum Glück lag entlang unserer Sightseeing-Route das Hard Rock Cafe Madrid, da es mittlerweile Zeit für das Mittagessen wurde. Man muss hier einfach mal sagen, dass es bei dieser Kette einfach einen internationalen Standard bei der Qualität des Essens gibt, gilt übrigens auch für Cocktails, so dass man überall auf der Welt bedenkenlos dort Essen kann. Und das eben nicht in Fast-Food-Qualität, sondern in richtiger „Fleisch-Qualität“. Die Atmosphäre sollte aber eigentlich das Besondere dieser Läden darstellen. Also raus aus dem zugigen Bus und rein in die Geschichte der Rock Musik. Die Speisekarte war natürlich genau nach unserem Geschmack und alle waren zufrieden. Einfach die perfekte Basis für den Rest des Tages. In den nächsten Sightseeing-Bus wieder eingestiegen (zum Glück kann man die Busse jederzeit wechseln) und den Rest der Tour vollendet. Die Gebäude wurden dabei immer pompöser und prachtvoller. Früher wurde halt einfach mit Protz gebaut, da saß das Geld scheinbar noch locker und wurde auch nicht durch irgendwelche Regierungsapparate verschlungen 🙂

MBA im Hard Rock Cafe Madrid and other places 🙂

Wenns‘ mal Schei… läuft

Nach der Tour noch mal ins Hotel, da es nun schon langsam Zeit wurde, sich Richtung Stadion aufzumachen. Tickets holen, umziehen, zur Sicherheit noch mal ein Geschäft erledigen, alles eigentlich Routine und Standard, und im Normalfall nicht weiter erwähnenswert, gäbe es nicht bei jedem im Leben mal einen Tag, an dem es Sch… läuft. Wir standen zusammen in unserer großzügigen Suite und warteten auf den letzten im Bunde, als auf einmal eine Bemerkung kam, dass es hier etwas streng riecht. Nichts weiter dabei gedacht, da ja noch jemand auf der Toilette saß. Ein letzter Check, ob man auch alles dabei hat, und irgendwie auf einmal etwas Schmieriges an den Händen. In dem Moment war klar, hier ist etwas sch… gelaufen. Einer beschrieb es folgendermaßen: „wie geschmolzenes Twix“. Und genau diese Konsistenz befand sich außen auf der Rückseite der Hose, allerdings handelte es sich nicht um eine Süßigkeit. Wie auch immer so etwas passieren kann, höchstwahrscheinlich durch einen manuellen Fehler, die Peinlichkeit war nicht zu überbieten. Zum Glück wurde es bereits im Hotel bemerkt und nicht erst später irgendwo, dann wäre aus einer großen Peinlichkeit eine Katastrophe geworden. So konnte der Schaden, allerdings nicht der Hohn und Spott, durch Wechseln der Hose relativ schnell behoben werden. An einem anderen Ort, z. B. auf der Arbeit, hätte man jetzt vielleicht erst mal das Weite gesucht, bei unserer Reise bestand diese Möglichkeit aber nicht. Da blieb nur übrig, die ganze Sache mit Humor zu nehmen. Selbstverständlich sorgte dieses Missgeschick, Alkohol war hier in diesem Fall ausnahmsweise nicht im Spiel bzw. die Ursache oder der Auslöser, für einen „Spießrutenlauf“ bezüglich schadenfroher Kommentare während der Fahrt zum Stadion. Wenn man eben Schei… baut, muss man da auch durch, das hat selten im Leben besser gepasst.

Estadio Santiago Bernabéu

Wir kamen dann frühzeitig am Stadion an, knipsten erst noch ein tolles Erinnerungsfoto und besorgten uns dann ein paar Bier gegenüber in einem kleinen Laden. 50 Meter vom Stadioneingang entfernt ein 0,33l Dosenbier für 1,- € zu bekommen, hat auch Seltenheitswert und ist somit auch eine Erwähnung wert. Wir konnten dann beobachten, wie so langsam die Barrieren für die Einlasskontrolle aufgebaut wurden und wir waren der Meinung, dass hiermit ziemlich spät begonnen wurde und es dadurch sicherlich zu zeitlichen Schwierigkeiten bei der Einlasskontrolle kommen würde. Da alle Tickets personalisiert waren, würde es hierdurch wohl nicht schneller als normal gehen. Diskutiert wurde dann auch, ob wir sozusagen bereits hinter der Kontrolle waren und einfach so ins Stadion kommen würden oder nicht. Wie immer zahlt sich hier Erfahrung einfach aus und von Kontrollen gibt es normalerweise kein Ausnahmen, was uns dann langsam auch klar wurde. Also schnell zum Anfang der noch überschaubaren Schlange, man traf hier dann noch einige bekannte Gesichter und so wurde die Zeit des Wartens mit Plaudereien überbrückt. Dann ging es endlich los, die Kontrollen begannen und ganz ehrlich, viel Wind im Vorfeld wegen personalisierten Eintrittskarten, aber im Endeffekt ging alles relativ schnell und ohne Vorkommnisse vonstatten, zumindest bei uns. Und dann kamen wieder Treppen, Treppen, Treppen, als ob wir davon nicht jeden Tag auf den Wegen zu den U-Bahnen schon genug hinter uns gelassen hätten. Aber in einem Stadion dieser Größenordnung befindet sich der Gästeblock meistens im Oberrang und im Estadio Santiago Bernabéu geht es nun mal ziemlich weit nach oben. Vor den Blöcken dann angekommen erwiesen sich die Ordner als relativ schwierig, da Wert auf das Betreten des gemäß der Karte entsprechenden Blockes gelegt wurde. also trennten sich unsere Wege kurz, drinnen war es dann problemlos möglich, durch die Blöcke zu gelangen, so dass wir das Spiel alle gemeinsam verfolgen konnten. Banner aufhängen, die beeindruckende Größe bzw. Höhe erst mal verinnerlichen und feststellen, dass wie immer die Heimfans International nicht frühzeitig im Stadion sind. Es ist wirklich faszinierend, wie der Heimbereich bis 30 Minuten vor Spielbeginn quasi noch leer ist und dann alle auf einmal kommen. Dies scheint auch das Motto unserer Ultras zu sein, den auf einmal wurde es etwas unruhig an den Blockeingängen, da auch diese wohl das Problem der Karten mit verschiedenen Rängen hatten. Es wurde dann mehr oder weniger ein Blocksturm aus verschiedenen Richtungen, so dass irgendwann die Polizei die Eingänge etwas abriegelte. Im Endeffekt aber nichts Dramatisches und auch nichts Neues.

Irgendwann tauchte dann mal unverhofft ein Bierverkäufer auf, sofort wurden dann die Hände gehoben. Da es unwahrscheinlich war, dass das Bier Alkohol enthielt, war eigentlich kein Reiz zum bestellen da, irgendwer hatte aber einfach Durst. Ok, zwei große Bier bestellt und dann gab es eine volle Breitseite: Dos Cerveza, 18 Euro. Noch mal nachgefragt, die Spanier sind ja auch nicht immer so fit in der englischen Sprache, aber es änderte nichts, ein Bier kostete NEUN Euro, Größe vermute ich mal ca. 0,6 bis 0,75 Liter. Was vor dem Stadion als Aufschlag verpasst wurde, wurde hier nun nachgeholt. Oder der Typ hat uns einfach verarscht und ordentlich zusätzlich in die eigene Tasche gewirtschaftet. Eine Frechheit war das, zurücknehmen wollte er es auch nicht mehr, die Polizei stand auch zwei Meter daneben, also zähneknirschend bezahlt. Wieder was dazugelernt.

Vor dem Spiel konnten wir noch über unseren Chat mitbekommen, dass auch ein deutscher Fernseh-Star im Stadion war, der gerade in Interview für einen Sender gab, bekannt dafür, bei den Fans im Block zu stehen, Wir witzelten noch, dass er jetzt zu uns in den Block kommen würde, und es war dann tatsächlich so, genau hinter uns. Da war er also, ein Star zum Greifen nahe, dessen erster Teil des Doppelnames eine Ableitung des nordischen Kriesgottes Odin ist. Hier hatten wir also unseren „deutschen Göttervater“ als Beistand bei diesem Prestige-Spiel, es ging ja immerhin um den Gruppensieg. Wir diskutierten noch etwas, wer seiner Begleiter noch aus dem Fernsehen bekannt war bzw. der Namen.

Mainborussen Estadio Santiago Bernabéu

Das Spiel

Dann fing jedoch langsam die Musik an, die Fans von Madrid präsentierten auf den Rängen gegenüber eine kleine Choreo mit dem Motto „Rey de Copas“, frei übersetzt König der Pokale, und der Zahl 11 auf dem Pokal, also dem Streben nach dem 1.. Champions League Gewinn bzw. der Titelverteidigung. Die Vereinshymne ¡HALA MADRID! wurde inbrünstig mitgesungen, das Stadion erwachte zum Leben. Nun gut, wir ließen sie erst mal weiterträumen, dass der Titel verteidigt wird und sie die Lautstärke-Hoheit über ihr eigenes Stadion haben. Mittlerweile dürfte auch der letzte Anhänger von Real Madrid wissen, dass wir eine Macht im Stadion sind, vor allem auf den Rängen, nicht nur auf dem Platz.

Unser Feuerwerk begann wie immer lautstark, die ersten paar Spielminuten waren noch ganz gut, dann schlichen sich aber vermehrt technische Fehler in unser Spiel ein und es wollte nichts mehr zusammenlaufen. Es fehlte einfach der Biss, Chancen war dennoch teilweise vorhanden aber einfach schlecht ausgespielt und dann kam es wie es kommen müsste: 28 Minute 1:0 Real Madrid. Es wurde wieder laut im Stadion, die Ansage des Torschützen durch den Stadionsprecher glich denen von Mike Buffer: Kariiiiiiiiiiiiiim Benzema. Mund abputzen, weiter geht’s war das Motto auf den Rängen, das packen wir noch, immer weiter und lauter Borussia.

So ging es mit dem Rückstand in die Halbzeitpause, eigentlich waren wir mit nur einem Tor Rückstand noch ganz gut bedient, Weidenfeller hatte bis dahin wirklich einen starken Tag. Das wird noch ein schwerer Weg für uns, wenn sich auf dem Rasen nichts ändert, da waren wir uns einig. So schlampig kann man gegen Madrid einfach nicht spielen.

Nach Wiederanpfiff zeigte sich uns dann erst mal wieder das gleiche Gesicht unserer Borussia, keinen richtigen Zugriff auf das Spiel, das 2:0 in der 53. Minute war fällig, wieder durch Benzema. Dann jedoch zeigte unsere Borussia das wahre Gesicht, 60. Minute ein Hoffnungsschimmer, 2:1 durch Aubameyang. Das Spiel war wieder etwas offen, jetzt wurde gekämpft um jeden Ball und wir hatten mehr oder weniger die Spielkontrolle. Die Gefährlichkeit von Madrid war allerdings weiterhin real und zu unserem Glück, das muss man fairerweise auch mal sagen, hatte der eingebildete Gockel mit der Nummer Sieben keinen guten Tag, der er wirklich gute Chancen liegen ließ. Das Glück hielt uns natürlich nicht davon ab, sein Unvermögen mit höhnischem Applaus zu quittieren, etwas Spaß muss ja sein. Hatte er es dennoch ganz passabel gemacht, stand unser bärenstarker Weidenfeller parat, der wirklich wieder eines der besten Spiele seines Lebens machte. Von vielen schon verschrieen und als zu alt und schlecht abgestempelt, zeigte Roman an diesem Tag noch mal, was er eigentlich wirklich kann. Wäre diese Top-Niveau momentan konstant…

Ballbesitz bzw. Spielkontrolle schießt nicht immer zwanghaft Tore, es hagelte hüben wie drüben Chancen, je länger das Spiel aber dauerte, desto mehr mussten wir zittern. Ein Tor fehlte uns, um Gruppensieger zu werden. Ging noch etwas war die große Frage?

Und dann die 87. Spielminute, Traumpass von Mor zu Aubameyang, der sich dank seiner Schnelligkeit durchsetzte und einen maßgeschneiderten Pass in die Mitte zum mitgelaufenen Reus spielte: 2:0 Marco Reus. Waaahhhnsinn. Um wem gönnte man so einen wichtigen Treffer mehr als Marco Reus. beeindruckend, wie er seit seiner Rückkehr aufdreht.

Jetzt war sie da die große Party, waren wir vorher schon wie gewohnt laut, so wurden wir nun zu einem Stimmungsorkan, der über das Stadion hinwegfegte. Der Schlusspfiff konnte kaum abgewartet werden und dann wurde das 2:2 Unentschieden wie ein großer Sieg gefeiert. Spitzenreiter wurde vornehmlich gesungen, wir waren Gruppensieger. Was für ein Spiel, was für eine geile Truppe auf dem Rasen, auch wenn zwischendurch Schlimmes zu befürchten war, für solche Spiele nimmt man die Reisen gerne in Kauf. Unseren BVB und die Fans muss man einfach lieben. Und der Respekt vor uns ist spürbar, was auch die Nummer Sieben mittlerweile schadlos zugibt. Wir sind eben einfach eine Bereicherung für den Fußball und auch für das ruhmreiche Estadio Santiago Bernabéu.

Und so gingen wir dann später wieder Treppe für Treppe bergab und verließen das Stadion voller Euphorie. Ein paar Spanier standen nun direkt vor unserem Ausgang und verkauften die Bierdosen aus Tüten, dieses mal allerdings für 2,- €, was wir auch gerne zahlten. Da die U-Bahn natürlich wieder überfüllt und sich auch Schlangen vor den Zugängen befanden, tranken wir gemütlich unser Bier und redeten noch über das Spiel.

Und wir beschlossen noch etwas Essen zu gehen, immerhin gab es seit dem Mittag eigentlich nichts mehr Vernünftiges für den Magen. Eine Paella muss es noch sein, wenn man schon mal hier in Spanien ist. Also ab Richtung Stadt auf der Suche nach einem passenden Laden. Hier fasse ich mich jetzt ganz kurz: In Läden, die ihre Speisen mit „tollen“ Bildern am Eingang zeigen, sollte man einfach nicht gehen, so zumindest meine Meinung 🙂 Aber egal, es gab laut Schildern Paella, allerdings bei der Bestellung dann nicht, da es zu spät war. Ironie des Schicksals nennt man das Wohl. Und nachdem jeder sein Essen bestellt und erhalten hatte, bewahrheitete sich, zumindest in meinen Augen, die Sache mit den Bildern. Einer bekam quasi eine Platte mit Kassler, die jedenfalls ordentlich war, aber scheinbar nicht so überzeugte. Der Abschuss war aber die Kombination von Pommes mit Spiegelei und Fleisch, in Deutschland vielleicht nicht schlecht, aber man legt doch bitte nicht das Spiegelei über die Pommes, so dass alle Pommes durchgeweicht sind. Mein Hühnchen mit Pommes war in Ordnung, aber kein Genuss, da einfach noch etwas fehlte bzw. es einfach fade war. Vielleicht sollte ich langsam doch mal anfangen, mich mit Fisch in diesen Ländern zu arrangieren, denn außer köstlichem Schinken können sie wohl kein anderes Fleisch zubereiten. Aber letzten Endes konnte uns auch das, in meinen Augen bescheidene Essen ohne Paella nicht die gute Laune verderben.

Zum Absacken noch in die Bar an unserem Hotel, die heute extrem voll war, es war ja morgen auch Feiertag. Und ein solche Überzahl an Frauen zu Männern haben wir selten in einer Bar gesehen, da waren wir uns alle ziemlich schnell einig. Man wusste gar nicht, wo man zuerst hinschauen sollte. Einfach ein perfekter Abschluss für einen ereignisreichen Tag, den wir nun gemütlich ausklingen ließen.

MBA Bernabéu Teil 2

Donnerstag

Aufstehen, frisch machen (ohne Vorkommnisse :), Hotel verlassen, Frühstück/Mittagessen in bekannter weltweiter Hühnchen-Fast-Food-Kette. Noch ein kleines leckeres Schinken-Sandwich zum Abschluss und Eindeckung mit dem guten Schinken, einvakuumiert vom Metzger, machten wir uns Richtung Flughafen auf. Sollte der Schinken nicht durch die Kontrolle kommen, wird er eben an Ort und Stelle aufgegessen 🙂 Unterwegs trennten sich dann in der U-Bahn stellenweise unsere Wege, da wir wie schon bei der Anreise unterschiedliche Flüge gebucht hatten und diese auch an verschiedenen Terminals starteten, was man mit der U-Bahn berücksichtigen sollte.Abschied nehmen, eine gute Heimreise wünschen, man sieht sich ja demnächst wieder. Das letzte mal Treppen steigen, die Waden brannten mittlerweile schon. Am Flughafen gibt es dann einfach Leute, die haben die Ruhe selbst, auch wenn es einer eigentlich eilig hat, seinen Flug noch zu erwischen. Vielleicht liegt es einfach an der Arbeitsstelle, dass man alles etwas gemütlicher angehen lässt. Von einem Handgepäckstück mussten wir uns dann noch verabschieden, aufgrund der Größe allerdings ein Witz, da es wesentlich größere Trolley’s ins Flugzeug schafften. Vielleicht wollten sie aber auch einfach nur kontrollieren, ob die Gepäckrutsche noch funktionierte. Drei Stunden Flugzeit wieder, die Sonne hinter uns lassen und Willkommen zurück im kalten Deutschland mit richtigem Schmuddelwetter. Unser persönliches Taxi fand dann auch seinen Weg ans richtige Terminal und es ging nach Hause, welches am späten Abend erreicht wurde.

Fazit

Drei tolle Tage in einer schönen Stadt, ein klasse Spiel und wieder einige bleibende Erinnerungen, machen diesen Trip unvergesslich. Ich hoffe vor allem, dass es für unseren ältesten Mainborussen etwas Besonderes war. Und wer weiß, vielleicht kommen wir schon bald wieder nach Madrid, nach Lissabon müssen wir nun auch bereits zum zweiten Mal in dieser Saison.

M. Schaber

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